Uriko

Die ersten Landkarten enthielten große weiße Flecke überall dort, wo noch keiner gewesen war. So ähnlich verhält sich das auch mit Rockmusik und dem Erzgebirge – außer den Randfichten und einer unübersichtlichen Zahl lokaler Metalbands ein großer weißer Fleck. Umso überraschender, wenn plötzlich eine lupenreine Indiepop-Band aus Aue im NewChance Landesfinale im Dresdner Starclub auf der Bühne steht und, so will man meinen, die Konkurrenz relativ locker in der Pfeife raucht. Die Jury hat sich dann zwar doch für ein paar Bluesrocker aus Dresden entschieden, die die lautesten und bierseligsten Fans mitgebracht hatten, war aber zu großen Teilen sowieso schon vor der Siegerehrung nach Hause gefahren. Grund genug ist es allemal, Uriko in ihrer Heimatstadt einen Besuch abzustatten. Station eins ist die ehemalige, am Samstag gut verschlossene Schule der Bandmitglieder. Im Jahr 2004 haben die beiden Gitarristen, Sänger und Songschreiber der Band sich hier verbündet und ihre Nachnamen zu einem Bandnamen fusioniert, der auf wundersame Weise gleich noch ein japanischer Mädchenname ist. Von da an spielten sie sich gegenseitig ihre Lieder vor, verwarfen, überarbeiteten und nahmen schließlich unter dem Titel “Pa(y)vement” ein erstes Album auf. Seinen Abschluss hat der erst 19jährige Martin hier im letzten Jahr gemacht, während Bassistin Tina inzwischen schon ein Diplom als Elektrotechnik-Ingenieurin ihr eigen nennt, was fast noch exotischer scheint als Indierock in Aue.

Als nächstes genießen wir die Aussicht auf dem Heidelberg. Da sind mächtige Schornsteine und eine Brücke, die zusammen die halbe Stadt auszumachen scheinen. Schlagzeuger Frank erläutert, dass es sich um die größte Spannbetonbrücke Europas handelt, Tina ergänzt, dass hier Zwickauer Mulde und Schwarzwasser zusammen fließen und Alex murrt, dass er, wenn überhaupt, wohl nur mit dem Ortsausgangsschild hier was verbindet. Station zwei für die Band war der Sommer 2005, als ihr Bassist kurzfristig einen Auftritt absagte und sich Tina allein durch den Besitz eines solchen Instruments als Ersatzfrau qualifizierte: “Ich musste dann in einer Woche zwölf Lieder lernen und hatte vorher eigentlich nur ein bisschen Gitarre gespielt.” Irgendwie hat das Ganze trotzdem prächtig funktioniert, so dass man sich kurz darauf an die Arbeit an einer EP machte. Erst sollte “Autumn Son” nur eine Single werden, aber im Hause Uriko herrscht ein Überfluss an Liedern.

2006 war dann ein Jahr der Umorientierung, in dem sie die akustischen gegen elektrische Gitarren getauscht und zarten Singer-/Songwriter Pop in ungestümen, melodieseligen Indierock verwandelt haben. Der Grund dafür war erst einmal ein ganz pragmatischer, wie Alex erklärt: “Ohne E-Gitarren bekommst du in der Gegend einfach keine Auftrittsmöglichkeiten.” Am Ende dieses Prozesses steht “The Punch & Judy Show”, Urikos zweites Album.

Wie es sich gehört, beschließen wir den Rundgang nach einem Abstecher ins Besucherbergwerk St. Anna mit einer Einkehr in der Lieblingskneipe. “Lotters Wirtschaft” heißt sie und braut ein ganz vorzügliches Bier. Erst vor zwei Monaten, nachdem der Fortgang ihres langjährigen Schlagzeugers Ronny eine ziemliche Krise ausgelöst hatte, saßen sie hier zusammen und führten ein “Einstellungsgespräch” mit dem neuen Schlagzeuger Frank. Alle sind noch ganz euphorisch, sich in einer Stadt wie Aue gefunden zu haben. Und es wächst zusammen, was zusammen gehört. Die Singer-Songwriter Inkarnation mit Glockenspiel, Piano und Mandoline soll in das elektrifizierte Set integriert werden, Lieder die bisher kaum gespielt wurden, wollen ausgearbeitet werden. Und überhaupt sind eigentlich alle glücklich, jedes Wochenende von Studium heimzukommen, die Instrumente in die Musikschule von Franks Vater zu schleppen und dort die halbe Nacht zu proben. Alles in allem ist Aue nämlich kein schlechter Ort, um groß zu werden. Mann kann noch die erste Band sein, die hier Indierock spielt und auch sonst hängt irgendwie das Herz daran. Gefragt nach Dingen, die er am Erzgebirge mag, fällt dann nämlich auch Alex eine Menge ein. Zuerst einmal die Freunde, dann der Herbst und nicht zuletzt die Schwibbbögen im Winter.

 

http://www.uriko.de/

https://youtu.be/Ro8AFVED9dc

The Phantoms

Gegründet im Rahmen des Campus Records Projekts, gibt es mit The Phantoms eine Mischung aus Electro, Pop und Einflüssen aus dem Hip Hop zu hören. Wer Lust hat sich einfach mal sphärisch einlullen zu lassen, sei dies empfohlen. Für alle anderen natürlich auch.

Pretending

Sex, Drugs, Softmetal und dazwischen noch genug Rock’n’Roll, um das zu liefern, wofür die Jungs von Pretending stehen. Es geht nicht immer um Images oder Definitionen, sondern manchmal einfach nur um Musik. In ihren Songs sprechen sie über Eigenes und lassen genug Platz für Interpretationen. Von Kindesbeinen an mit der Musik geprägt, die sie noch heute im Herzen tragen, nehmen sie sich ihre Instrumente und verwirklichen den Sound, der zu ihnen passt. Und wem das nicht passt – nunja…. Der sollte trotzdem reinhören. Denn das geht noch vorne, ohne aufzudrängen und hat genug Gefühl, ohne vom Thema wegzudriften. Es ist ehrlich. Es ist Musik.

 

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lala kakadu

Dieser Vogel aus Leipzig macht nicht nur Musik sondern deckt auch künstlerisch fast jedes Metier ab. Entstanden aus der Berliner Künstlergruppe „Spiel Mal“, steuerte lala kakadu einen kurzen und bündigen Funksong für unseren Sampler bei. Unbedingt reinhören.

Klezzkavice

Klezzkavice entstand zufällig, als ein klarinettierender Jungspund nachts im Eilenburger Park inmitten einer studierten Meute einen unverbässerlichen Studenten sah, ihn anlaberte und zu einer Session überreden konnte. Nach dieses historischen Zäsur war klar: Hier geht was! Der Klarinettist holte seine musikalischen FreundInnen an Gitarre und Geige dazu, der Mitbewohner des vielsaitigen Bassisten merkte sofort, dass er da mitklappern musste, und eine Meisterin am Akkordeon wurde von einem bekannten Musiklehrer empfohlen.

Dieses musikalische Gemisch kam zum ersten Mal im November 2008 auf einer WG-Party zur Explosion. Danach ging es steil bergauf: Klezzkavice rumpelte durch Kirchen, Konzertsäle, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, WG-Partys und klapperte dabei schon MB, Werk II, Feinkost und sogar den Frankfurter Opernball sowie das TFF Rudolstadt ab. Im März 2010 wurde die erste CD produziert, die bei der phänomenalen und rammelvollen Record Release Party im Absturz veröffentlicht und sogleich mit Schweiß und Alkohol begossen wurde.

In all dieser Zeit hat sich das musikalische Konzept von Klezzkavice bewährt: Alte Klezmer- und Balkan-Traditionals rauskramen und ganz unorthodox partytauglich aufmotzen. Es wirken Einflüsse aus Klassik, Metall, Punk, Ska, Jazz und elektronischer Tanzmusik auf das Material ein, das live aufgeführt nicht nur knallharte Folkies, sondern sogar FreundInnen der gepflegten Kunstmusik und Verfechter von Dissenmugge zu unerwarteten körperlichen Verrenkungen und emotionalen Ausbrüchen verführt – zumindest hoffen wir, dass es nicht nur der Alkohol ist. Doch dabei bleibt der musikalische Anspruch nicht auf der Strecke: die ein oder andere kunstvoll arrangierte Balkanballade oder so mancher Tango bereichern das Repertoire.

Wer abgesehen von dieser Wortfülle einen richtigen Eindruck von der Band haben möchte, der komme doch zu einem Konzert, kaufe eine CD oder lade die sechs überaus sympathischen MusikerInnen einfach ein.

 

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